Ulf Aminde in Zusammenarbeit mit Christoph Grund

deutsche wohnen (was singen die diven)

deutsche Wohnen (was singen die Diven) ist eine Filmoper über Verdrängung zwischen Moderne und Investment, Stalinallee und Hansaviertel, Obdachlosigkeit und der Frage, wie wir wohnen wollen. Musikalisch und filmisch inszeniert mit Gruppierungen und Einzelpersonen aus dem Hansaviertel und der Karl-Marx-Allee. Ziel ist es, den Bewohner*innen der architektonischen Diven einen Gesang zu entlocken, die Stimme der Einzelnen hörbar zu machen und sie zu den Stimmen der Häuser werden zu lassen: eine Polyphonie der Teilhabe. Entstehen wird von Januar bis September eine Oper als Film. Die Uraufführung des Films soll im Zeitraum September bis Oktober unter freiem Himmel am Hansaplatz stattfinden.

Die Ideen, die hinter dem Bau des Hansaviertels und der zur selben Zeit entstandenen Stalinallee – der heutigen Karl-Marx-Allee – stehen, sind beide geprägt von der Erfahrung der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und der Hoffnung auf einen gesellschaftlichen Neuanfang. Räumliche und architektonische Entscheidungen waren mit gesellschaftlichen Visionen verbunden. Welche Visionen wurden umgesetzt und welche nicht?

Das Projekt geht von einer grundsätzlichen Frage aus: Was ist zu hören, wenn wir gebaute, belebte, erträumte und erinnerte Räume zum Klingen bringen lassen? Welche Arten der Raumproduktion und -nutzung wurden und werden in dem jeweiligen Viertel umgesetzt, und lassen sie sich musikalisch wie auch performativ mit ihren Bewohner*innen, einem Aufnahmegerät und einer Kamera einfangen? Wie singen die Diven, die Häuser im Hansaviertel, und wie diejenigen in der Karl-Marx-Allee? Wie solidarisch sind Räume im Hansaviertel? Wie klingt die Frage nach der Migrationsperspektive und den damit verbundenen Kämpfen? Interviews mit Bewohner*innen und Akteuren lassen Texte entstehen, die zu Libretti und anschließend als Sprechgesang und mit Melodie zu Arien werden können. Eine Oper, die versucht zu hören, wer und was hier wie lebt, gelebt hat und wer hier gern wohnen würde.

Musik könnte heute eine Software sein, die sich in diese alte Stadt-Hardware von gestern einbringen lässt. In ihr könnte auch das Verdrängte, das Getilgte, das in Trümmern liegende und Verwesende eine Stimme finden. Die Filmoper wird eine Ode, ein Denkmal für die Bewohner*innen, die sich mit ihrem Viertel identifizieren, aber auch eine Erinnerung an all jene, die nicht zu dieser Vision gehören. Es ist geplant, einen Aufruf an alle Interessierten zu richten, die an dieser Filmoper teilnehmen wollen. Angestrebt ist, mit möglichst diversen Gruppen und Einzelpersonen in Kontakt zu treten. Auch zur Aufführung werden selbstverständlich alle eingeladen.