Jan Köchermann

Horu

Die Installation Horu bildet ein Ensemble aus einer Bergspitze, einer Höhle, einer Wasserstelle, einer Straßenlaterne und einem Souvenir-Shop. Der Hansaplatz wird durch diesen Eingriff für ein bis drei Monate spielerisch zum Alpenpanorama erklärt.

Die Bergspitze, die in ihrer Silhouette ans Matterhorn erinnert, nimmt inhaltlich und formal einen Dialog mit dem Hansaplatz auf. Proportional setzt sie einen Kontrapunkt zu der architektonisch aufgeladenen Situation vor Ort. Nur bei frontaler Ansicht schafft die zweidimensionale Installation die Illusion eines Berggipfels – von den Seiten betrachtet offenbart sie sich als Kulisse. Für eine zusätzliche Romantisierung sorgen eine lockere Bepflanzung am Wasserbecken und die Reflexion der gesamten Installation auf der Wasseroberfläche. Wie eine künstliche Sonne oder ein künstlicher Mond strahlt eine Standard-Straßenlaterne von oben auf den Berggipfel und lässt Assoziationen an eine mit Flutlicht beschienene Skipiste aufkommen. Die begehbare Höhle führt im unteren Teil des „Berges“ 3,5 m in die Tiefe. Sie steht als Urform der menschlichen Behausung den Wohneinheiten im Viertel gegenüber.

Auf der gegenüberliegenden Seite, ca. 13 Meter von der Berg-Installation entfernt, steht ein kleiner Souvenir-Shop. Seitlich zur Verkaufsöffnung sind Postkartenhalter angebracht, auf der schrägen Theke liegt die „Höhlenzeitung“ aus, eine Glühlampe sorgt für gemütliche Atmosphäre. Eine Audio-Endlosschleife läuft leise, aber in Nähe des Shops gut hörbar, vor sich hin. Der schlichte Verkaufsstand besteht aus Holz (Holzplatten für den Außenbereich, ca. 20 mm) mit einer abschließbaren Tür.

Die Installation findet in zwei Phasen statt. Normalerweise folgt ein Souvenir-Shop der Sehenswürdigkeit. Bei der Installation Horu ist es andersherum. In der ersten Phase wird erstmal nur der Souvenir-Shop aufgestellt und kündigt das Erscheinen von Bergspitze, Höhle, Wasserstelle und Straßenlaterne an. Der Berg mit der Höhle existiert schon, befindet sich aber zu diesem Zeitpunkt noch in einer Lagerform. In einer unterirdischen Halle wartet er in Einzelteile zerlegt darauf an der entsprechenden Stelle am Hansaplatz aufgestellt zu werden. Die Lagerform in der Halle wird mit einer Kamera überwacht und auf einen Monitor im Souvenir-Shop übertragen. Das Innenleben des Shops, bestehend aus Postkarten, Zeitungen, Lampe und Monitor ist in der ersten Phase durch eine Plexiglasscheibe sichtbar und wird dann nach Erscheinen des Berges zu entsprechenden Öffnungszeiten geöffnet.