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Unter dem Motto „Hören und Spazieren“ entstehen drei einstündige Beiträge im Rahmen der Sendereihe „La Passante Écoutante (Hören und Spazieren) – Karl-Marx-Allee“ der Radiokünstlerin Niki Matita. Sie werden auf colaboradio im Freien Radio Berlin auf UKW 88,4 MHz gesendet und sind hier über den Mixcloud Link nachzuhören.

Die erste Sendung lässt die Hörer*innen an dem Spaziergang mit dem Kulturwissenschaftler Thomas Flierl und dem Architekten und Denkmalpfleger Georg Wasmuth teilhaben. Die Soundcollage spürt den Facetten des II. Bauabschnitts nach - das visionäre städtebauliche Ensemble zählte zu den wichtigsten Modellprojekten in der 1960er Jahren und steht repräsentativ für die DDR-Moderne. Was waren die Leitgedanken hinter den architektonischen Ideen und wie gestaltet sich das Leben im Viertel, wie gestaltet sich die Ist-Situation für die Anwohner*innen?

Niki Matita trifft bei ihrem zweiten Beitrag auf fünf Künstler*innen, die das Format des Spaziergangs zum Gegenstand ihrer Projekte gemacht haben. Das Projekt „Quer durchs Viertel“ mit Ingeborg Lockemann, Inken Reinert und Michaela Schweiger wird im September mit drei unterschiedlichen Spaziergängen den Blick auf die Geschichte von Frauenfiguren und -gruppen im Viertel schärfen. Michaela Schweiger zieht mit ihrem Projekt „Wir, 2021“ Verbindungslinien zwischen den aktuellen Mietpreisen, Arbeitsbedingungen und der Modezeitschrift SIBYLLE, Inken Reinerts „Babette im Rosengarten“ lässt einer fiktive Gestalt Rosenstöcke pflanzen und Ingeborg Lockemann beschäftigt sich in „Hier Berolinastraße“ mit lesbischen Lebensentwürfen in der DDR und dem geplanten Neubau von RuT Frauen und Wohnen an der Karl-Marx-Allee.
Das Projekt „Simultaneity“, zu dt. „Gleichzeitigkeit“, der drei Künstler Joachim Blank, Karl Heinz Jeron und Robert Sakrowski lässt mit den Mitteln der Augmented Reality Vergangenheit und Zukunft über eine digitale Oberfläche miteinander verschmelzen. Mit einem Stadtplan und Smartphone oder Tablet werden sich die Besucher*innen ab Juni durch das Gebiet bewegen und dabei virtuell entstandene Dinge sehen können, wie die verschwundene Spielplastik „Mondstation“ von Baldur Schönfelder (1965) oder eine Amazone, die sich Lenins verschwundenen Kopf unter den Arm geklemmt hat. Geschichte trifft auf Fiktion.

Bei ihrem dritten Spaziergang trifft Niki Matita auf zwei Künstler, deren Projekte sich an der Schnittstelle von Spekulantentum, Verdrängung, Widerstand und Devisen treffen: Sven Kalden ernennt sich zum Direktor der künftigen LINA BRAAKE BANK LBB während das Künstlerduo SONDER (Peter Behrbohm und Anton Steenbock) zwei DDR-Cowboy-Spielzeugfiguren zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Behauptung machen.

Am 18. Juni 2021 wird an der Karl-Marx-Allee die erste Filiale der neugeschaffenen LINA BRAAKE BANK LBB eröffnen. Die Titelfigur von Bernhard Sinkels Spielfilm „Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat“ von 1974 steht für den mutigen und eigenwilligen Kampf, das Recht auf selbstbestimmtes Wohnen gegenüber den Profitinteressen der Bank durchzusetzen. Die LBB Filiale soll als Ort dienen, an dem über Geld und die Regeln des Geldsystems verhandelt wird.

Unweit der LBB werden am 10. September 2021, zwei lebensgroße Cowboy-Plastiken, vormals im Erzgebirge für die ostdeutschen Kinderzimmer produziert, auf dem Mittelstreifen der Karl-Marx-Allee installiert. Anlässlich des 120. Geburtstags am 15. September 2021 der Autorin Liselotte Welskopf-Henrich (1901-1979) werden mit diesen vergrößerten Spielzeugfiguren im Maßstab 30:1 ihre Bücher der Reihe „Die Söhne der Großen Bärin“ und die anschließende DEFA Verfilmung in einen zeitgenössischen Kontext befragt.