Marina Naprushkina

Bühne der Enthusiast*innen

Die Bühne der Enthusiast*innen öffnet auf der brachliegenden Plansche Singerstraße nicht nur eine tatsächliche Spielfläche, sondern auch einen sozialen Raum. Hier versammeln sich, nach dem Vorbild spanischer Dörfer, die Einwohner*innen zum Tanz. Die Bühne ersetzt so temporär die im Projektgebiet Karl-Marx-Allee verloren gegangenen gemeinschaftlichen Treffpunkte.

Als das Viertel in den 1950er-Jahren erbaut wurde, waren soziale Räume in der Stadtplanung der DDR auch ideologisch aufgeladen. Heute dagegen liegt beispielsweise die Plansche an der Singerstraße schon lange brach, der Verlust solcher Räume wird gegenwärtig wenig thematisiert. Für die Bewohner*innen, von denen viele damals als Kinder, heute als Rentner*innen hier leben, sind sie aber ein wesentlicher Faktor ihrer Nachbarschaft.
Die kreisförmig über einem Teil der Plansche installierte Bühne gibt vor allem Veranstaltungen mit Standard- oder Lateinamerikanischem Tänzen einen Ort. Sie finden moderiert und mit Livemusik statt. Das Wort „Enthusiasmus“ auf der Bühne in Kombination mit einem Vorhang erinnert an den Glauben an eine Zukunft und die Begeisterung, mit dem die damalige Stalinallee einst in über vier Millionen Arbeitsstunden gebaut wurde.

Über Plakate wird die Nachbarschaft zu Veranstaltungen mit Titeln wie – je nach Ausrichtung– „Die Bühne der Enthusiast*innen TANZT / LIEST / SPRICHT“ eingeladen. Möglichst viele Nachbar*innen sollen kommen und mitmachen, entweder selbst tanzen oder die neu geschaffene Atmosphäre genießen.

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